Studentische Konferenz: „Deutsche Kulturen im Fokus: Von Ikonen zur Interkulturalität?“

Autor: Dr. Thomas Ernst

Es ist eine gute Tradition, dass die Studierenden unseres dritten BA-Jahrgangs auf einer Konferenz ihre Bachelorarbeitsprojekte präsentieren und diskutieren lassen (Programm). Diese Konferenzen führen wir jährlich gemeinsam mit der Universität zu Köln durch. In diesem Jahr präsentierten die Studierenden ihre Projekte auf einer zweitägigen Konferenz im Doelenzaal der Universiteit van Amsterdam (2017 waren wir im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln zu Gast, 2019 werden wir wieder nach Köln fahren).

Abschlussstudierende des BA Duitslandstudies mit ihrem Dozenten, Dr. Thomas Ernst (hinten mittig) und den Kommentatorinnen aus Köln, Prof. Dr. Claudia Liebrand und Dr. Angela Mielke (hintere Reihe, dritte und zweite von rechts).

Die Präsentationen gaben einen Einblick in das breite Spektrum der Themen, über die Studierende des BA Duitslandstudies an der Universiteit van Amsterdam ihre Bachelorarbeiten verfassen: Sie befassten sich mit der Ökokritik in Deutschland, deutschen Science Fiction-Adaptionen, dem Holocaustmahnmal, der Propaganda im Nationalsozialismus, dem aktuellen Netzwerkdurchsetzungsgesetz gegen Hate Speech in Sozialen Medien, dem Selbstbild der ‚Deutschtürken‘, der DDR, der jiddischen Sprache und der Gruppe der (aus Deutschland und der Schweiz ausgewanderten) Amischen in den USA. In ihren Projekten untersuchen die Studierenden literarische Texte von Johann Wolfgang von Goethe bis Feridun Zaimoglu, Autobiografien, Soziale Medien, Politikerreden, Zeitungsartikel, Filme, Songs und Märchen.

Ökokritik in der deutschsprachigen Literatur

Auffällig ist in diesem Jahrgang, dass sich eine Reihe von Projekten mit der literarischen Ökokritik beschäftigen, also mit der Frage, wie literarische Texte das Verhältnis von Natur und Kultur, von Mensch und Umwelt und insbesondere die (drohende) Umweltzerstörung thematisieren. In der Arbeit von Puck van der Weil rücken unter dem Titel Wer die Jugend hat, hat die Zukunft die von den Gebrüdern Grimm gesammelten Märchen Frau Holle, Die Bienenkönigin und Der alte Sultan ins Zentrum ihrer erzähltheoretischen Analyse (Betreuung: Dr. Elisabeth Meyer). Lotte Brandjes befasst sich mit der Ökokritik in den 1970er Jahren am Beispiel der Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän von Max Frisch. Sie arbeitet über das Mensch-Naturverhältnis, Sprache und Sprachlosigkeit in diesem Text mit Methoden der Hermeneutik und Kulturkritik. Jann Duri Bantli wiederum stellte Eine symptomatische Lektüre von Goethe „Wahlverwandtschaften“ im Zeichen des Anthropozän vor, in der er insbesondere die Motive ‚Initialzündung‘, ‚Land und Wasser‘ sowie ‚Vernichtung und Wahn‘ herausarbeitet (beide Arbeiten werden von Dr. Ansgar Mohnkern betreut).

Puck van der Wiel, Lotte Brandjes und Jann Duri Bantli befassen sich mit der Ökokritik in der deutschsprachigen Literatur

Historischer und politischer Wandel deutscher Kulturen

Neben solchen Projekten zur deutschsprachigen Literatur zeichnet sich der BA Duitslandstudies auch dadurch aus, eher historische, politische und gesellschaftliche Prozesse in den Blick zu nehmen. So interessiert sich Jack Koning für die Frage, wie Zeitzeugen den Einfluss der nationalsozialistischen Propaganda während des Zweiten Weltkriegs und dann etwa dreißig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs darstellen – und inwiefern sich dieser persönliche Erinnerungsdiskurs gesellschaftlich verändert hat. Dazu analysiert er vergleichend Feldpostbriefe und Erinnerungstexte von Soldaten.

Stèphanie Zonneveld wiederum widmet sich einem hochaktuellen Thema: Um die Hate Speech in den Sozialen Medien zu bekämpfen, hat die Bundesregierung ein Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) erlassen, dass Plattformen wie Facebook und Youtube zwingt, schneller auf Löschanträge zu reagieren. In der Praxis führt dieses Gesetz jedoch auch zu einer Beschränkung der Meinungsfreiheit, weshalb es in der Kritik steht. Am Beispiel des deutscher Print- und Onlinezeitungen analysiert Stèphanie, wie sich der öffentliche Zwischen Meinungsfreiheit und Hassregulierung entwickelt (Betreuung der beiden Projekte: Dr. Thomas Ernst).

Miranda Verweij wiederum ist fasziniert von der Kultur der Amischen: Das handelt es sich um eine christliche Gemeinschaft, die im 18. und 19. Jahrhundert aus Deutschland und der Schweiz in die USA ausgewandert sind und heute noch Elemente der deutschsprachigen Kultur bewahrt haben (Betreuung: DAAD-Lektor Henning Radke). Mirandas Projekt steht unter dem Titel Geschichtlicher und persönlicher Wandel bei den Amisch, dazu recherchiert sie gerade in den USA. Für ihre Präsentation wurde sie deshalb per Skypegespräch zugeschaltet.

Jack Koning, Stèphanie Zonneveld und Miranda Verweij untersuchen historische, politische und soziale Entwicklungen der deutschen Kultur

Identitätsfragen und innovative Methoden

Andere Präsentationen befassten sich mit Fragen der Identität: Maaike Verheij untersucht am Beispiel der ‚Gesprächsprotokolle‘ Koppstoff von Feridun Zaimoglu, wie türkisch-deutsche Frauen Selbstbilder produzieren und sich zu deutschen Stereotypen verhalten (Betreuung: Dr. Britta Bendieck). Marie-Louise Tripp wendet sich mit Goethes Drama Faust einem klassischen Text zu, fokussiert allerdings auf die Figur der Helena und arbeitet mit neuen Gender-Theorien, um die Geschlechterbilder im Drama zu analysieren (Betreuung: Dr. Ansgar Mohnkern). Miloš Gavrić nutzt neue digitaler Analysemethoden, um jeweils zwei Romane des österreichischen Autors Thomas Bernhard mit zwei Romanen des Schweizer Schriftstellers Hermann Burger auf stilistische Ähnlichkeiten zu untersuchen (auch Miloš war per Video zugeschaltet, da er gerade im Auslandsstudium an der Universität Wien ist; die Arbeit betreut Dr. Thomas Ernst).

Maaike Verheij, Marie-Louise Tripp und Miloš Gavrić stellen Fragen nach deutschen Identitäten bzw. nutzen innovative Methoden

Perspektive: Buluitreiking 2018 und Köln-Konferenz 2019

Insgesamt wurden sechzehn Projekte präsentiert, neben den bereits genannten sind die noch:

  • Lieke Rademakers: Transnationale Erinnerung in sozialen Medien: Das Holocaustmahnmal auf Instagram
  • Cécile Ariëns Kappers: Deutsche Science Fiction-Adaptionen – eine vergleichende filmnarratologische Analyse der Serien „Stranger Things“ und „Dark“
  • Meridiana Gashi: Kunst und Tod – ein Verhältnis? Eine Analyse von Kunst- und Todesmotiven in Thomas Manns Erzählung ,,Der Tod in Venedig“
  • Okko Spangenberg: Welche Auswirkungen haben die Reden von AfD-Politikern auf den Umgang mit dem Holocaust im deutschen Erinnerungsdiskurs? Eine Diskursanalyse
  • Daniel van den Berg: Standarddeutsch und Jiddisch: Eine kontrastive Studie in der Morphologie
  • Mick Höcker: Die friedliche Revolution in der DDR
  • Hella Huisman: Zensur in der Deutschen Demokratischen Republik: Vom Kahlschlag zur Freiheit?

Besonders dankbar sind wir den Kolleginnen Prof. Dr. Claudia Liebrand und Dr. Angela Mielke von der Universität zu Köln, die in einer ebenso kritischen wie konstruktiven Weise die studentischen Projekte und die Exposés der Studierenden kommentiert haben! Das Feedback der Studierenden war eindeutig: Am 21./22. März 2019 soll wieder eine gemeinsame Konferenz mit den Kolleginnen der Universität zu Köln stattfinden. Vorher steht aber ein viel wichtigerer Termin auf dem Programm: Am 10. Oktober 2018 wird im Doelenzaal die Buluitreiking für jene Studierenden durchgeführt, die ihre Bachelorarbeit erfolgreich geschrieben haben. Wir sind gespannt und betreuen fleißig!

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